Es war wahrscheinlich eine relativ unverbindliche Aussage, als ich meinem Freund Koray gegenüber gesagt habt, dass wir irgendwann zusammen etwas auf die Beine stellen sollten. Zeitlich fiel dies in die Euphorie-Phase von meinem Bildband „Istanbul’um“. Aber eine notwendige Pause nach den Anstrengungen für „Istanbul’um“ und andere laufende Foto-Projekte sorgten dafür, dass wir das Thema nicht mehr aufgriffen. Und was soll ich sagen, es lag auch keine Idee vor, die mich persönlich reizte. Wer mich kennt, der weiß, dass sich meine Gedanken und Foto-Ideen vornehmlich um Istanbul drehen und kein anderes Thema lies bis dato auch nur ansatzweise mein Herz höher schlagen.

Ich könnte versuchen Legenden drumherum zu bauen, aber weder Koray noch ich wissen, wer den Ball wieder aufgenommen hat. Am ehesten war es die Idee einer fotografischen Dokumentation von Jerusalem, die uns wieder auf den Pfad eines gemeinsamen Projektes gebracht hat. Koray kannte Jerusalem schon von einer vorherigen Reise und bei mir löste die Stadt bei jedem Gespräch eine gewisse Neugierde und Spannung aus. Schon länger hatte ich es als Reiseziel auf meiner Liste und ich wusste, dass Jerusalem eventuell aus einem ähnlichen Material wie Istanbul besteht: Geschichtsträchtig, kultureller und religiöser Schmelztiegel, eine einzigartige Kulisse für Fotografie.

Wir schlossen uns schnell mit unseren gemeinsamen Foto-Freunden Murat Kurt und Halil Türkmen zusammen, die ebenfalls von der Idee begeistert und im Gegensatz zu mir auch schon mehrmals dort waren.

 

 

Vier Street Fotografen, die eine Stadt und ihre Bewohner dokumentieren, wobei am Ende eventuell ein Bildband als Ergebnis herauskommen soll. So konnte man unsere Projektidee in einem Satz zusammen fassen. Im Oktober 2018 waren wir schließlich für 6 Tage in Jerusalem. Jeder von uns ist täglich mit seiner Leica-Kamera (ich weiß, könnte eine unrelevante Info sein ;)) losgezogen, um die Stadt zu erkunden. Wir haben unterschiedlichste Erfahrungen gemacht und hatten viele nachhaltig auf uns wirkende Begegnungen mit Menschen. Jeder von uns hat seinen individuellen Blick auf Jerusalem entwickelt und fotografiert. Wenn ich für mich persönlich sprechen soll, dann muss ich sagen, dass ich eine durchaus starke Bindung zu Jerusalem aufgebaut habe. Ich hatte vermutet, dass Jerusalem sehr reizend ist, aber dass es mich so sehr in seinen Bann zieht, das hätte ich nicht gedacht. Es sind Gebäude, die Geschichte – die man an jeder Ecke spüren kann –  und so vieles mehr, aber vor allem die Menschen, zu denen ich mich heute noch hingezogen fühle. Ich kann es mir selbst nicht verzeihen, wenn ich irgendwann in meinem Leben nicht noch mal nach Jerusalem reise. Das kann ich heute mit Sicherheit sagen.

 

 

Wenn vier Menschen eigene Einblicke haben, dann entstehen auch individuelle Geschichten. Es hat nicht lange gedauert, dass wir zu dieser Erkenntnis gekommen sind. Deshalb besteht „Tales of Jerusalem“ auch aus vier einzelnen fotografischen Geschichten, die in eigenen Kapiteln gezeigt werden. Trotzdem haben wir es wohl geschafft, ein Street Photography Bildband zu produzieren, welches als eine Einheit wahrgenommen wird.

Ich schreibe diesen Beitrag fast sieben Wochen nach der Veröffentlichung von „Tales of Jerusalems“. Ganz bewusst, denn auch ich musste nach der stressigen Buchproduktion und dem Verkaufsstart erst mal zur Ruhe kommen und einiges Sacken lassen. Die erste Zeit war wirklich fantastisch, denn wir haben durchweg positives Feedback für unser Bildband bekommen. Es macht Spaß zu hören, dass nicht nur unsere Fotos gefallen, sondern auch das Layout und die Gesamtqualität des Buches beeindrucken können.

Wenn ich auch euer Interesse wecken konnte, dann könnt ihr hier „Tales of Jerusalem“ kaufen.

Für einen visuellen Eindruck findet ihr unten ein Promo-Video, welches ich für die offizielle Buchveröffentlichung erstellt hatte.