Mittlerweile läuft mein Projekt „34 – Istanbul“ fast 2,5 Jahre. In dieser Zeit war ich wieder mehrmals in Istanbul und habe einige tausend Fotos geschossen. Dabei habe ich immer wieder Wege und Fäden gefunden, die ich zwischenzeitlich wieder verworfen habe. Was soll’s! Es ist mein Projekt und ich bin mein eigener Herr.

Losgelaufen war ich damals mit der Idee eine Serie von 34 Fotos zu machen, in der ich tiefer in die Seele der Stadt eintauche und auch politische Statements nicht außen vor lasse. Meine größte Sorge war aber irgendwann, dass ich mich eventuell nur selbst kopiere, halt nur in Farbe, statt wie in Istanbul’um in schwarzweiss. Dahinter steckt keine neuentwickelte Arroganz und Überheblichkeit, sondern die pure Angst, ein Projekt ohne Mehrwert und eigene Weiterentwicklung abzuliefern.

Wenn ich in den letzten Jahren eins gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass man sich nur selbst in den eigenen Möglichkeiten einengt. So war es auch bei meinem seit Jahren existierenden Interesse am Schreiben. Diese Aussage hätte ich zu meiner Schulzeit nicht treffen können und wenn, dann wäre ungewollte Freizeit vor der Klassenzimmertür das Ergebnis gewesen, anders hätte mein Deutschlehrer wohl damit nicht umgehen können. Aber Zeiten und Menschen ändern sich. Und heute kann ich mir besser erklären, warum ich wohl so lange in Blogs geschrieben habe, obwohl die Rahmenbedingungen nicht ausreichend waren – es war wohl der latent vorhandene Wunsch mal ein Buch oder ähnliches auf die Beine zu stellen.

Natürlich habe ich noch nie etwas ähnliches auf die Beine gestellt. Aber die Regeln, Ziele und Ergebnisse in meinem Leben habe ich selbst in der Hand. Das Leben ist bekanntlich zu kurz, um sich den Sachen, die einem Spaß machen, nicht zu widmen. So habe ich mich dem Vorhaben hingegeben und nähre mich heute von vergangenen Zusprüchen, die meinen Schreibkünsten galten, und von der Idee, dass es bis heute noch nicht so viele vergleichbare Projekte gab oder zumindest sind mir diese nicht bekannt. Seit Wochen beschäftige ich mich nun mit dem Thema und auch in meinem kürzlichen Urlaub habe ich Vorarbeit geleistet. Schließlich kann ich mich nicht komplett neu erfinden, d.h. eine gute Vorbereitung und Planung gehören für mich wie immer dazu. Wie baut man ein solches Projekt auf? Worauf muss man achten? Was sind Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren? Woran muss ich bei dem Plot denken? Gibt es Literatur, die ich eventuell ein wenig zum Vorbild nehmen kann? (An dieser Stelle ein Lesetipp: The Rum Diary von Hunter S. Thompson). Dies alles führte bisher dazu, dass ich zwar noch keine einzige Zeile geschrieben habe, aber mich lustigerweise schon wie ein Schriftsteller fühle. In Visionen sehe ich mich in einer melancholischen Stimmung in einem urigen Dachstuhl vor einer Schreibmaschine sitzen.

Der aufmerksame Leser stellt fest, dass ich noch nicht viel zu den Inhalten verraten möchte. Das soll eine Überraschung bleiben und ich möchte mir nicht mehr Druck aufbauen, als ich es mit diesem Artikel eh schon tue. Und wer weiß, eventuell versandet das ganze auch? Sicher ist, dass es mehrere Monate dauern wird, bis ich Ergebnisse habe und zwischenzeitlich möchte ich auch weiter nach Istanbul, um Fotos für das Projekt zu machen. Die Fotos aus „34 – Istanbul“ sollen, so weit möglich, auch in dieses Projekt einfließen, welches ich auf den Namen „34 – Fiction“ getauft habe. Mal schauen, wie es weitergeht. Von Zeit zu Zeit melde ich mich, um über Fortgang der Dinge zu berichten. Vielleicht helfen dem einen oder anderen ja meine Erfahrungen.

Wenn ihr in der Zwischenzeit interessante Literaturtipps habt, dann freue ich, wenn ihr diese mit mir teilt.